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Forum Medien Kulturen
Medien sind
- historisch betrachtet - Erzeugnisse wie Bedingungen des Kulturprozesses.
Sie bilden bzw. verändern den Rahmen unseres Wahrnehmens und Fühlens, aber
auch Denkens und Wissens. Medien speichern, übertragen und verarbeiten
Informationen, aber auch Ideen und Ideologien, Werte und Normen. Sie sind
nicht nur Mittel der Kommunikation, sondern Vermittlungsinstanz kutureller Selbst- und Fremdbilder. Als symbolische
Formen der Weltaneignung prägen sie auf entscheidende Weise die
kommunikativen, sozialen und ästhetischen Praktiken der postmodernen
Gesellschaften – weltweit. Wegen ihrer Wirkungskraft wurden die Medien zum
thematischen Fokus einer interdisziplinären Kulturwissenschaft, die hiermit
ihren Fragehorizont seit Mitte der 1980er Jahre erheblich erweiterte:
Medienanalysen sind in den klassischen Geisteswissenschaften ebenso wie in
den Sozialwissenschaften in den Vordergrund gerückt, aber auch in der Kunst
und im Design, im Wissensmanagement und in der Wirtschaft (vom E-Learning bis
zum E-Commerce).
Die mulitmediale, hybride Integration von ehemals
getrennten Einzelmedien wie Text, Telefon, Radio, Film, Fernsehen, Video usw.
auf der Basis einer zunehmend digitalen Medienkonvergenz verändert nicht nur
die pragmatische Dynamik der Wissens- oder Informationsgesellschaft. Prekär
oder gar obsolet werden unter Bedingungen des Internets auch die
traditionellen Unterscheidungen von privat und öffentlich, von passivem
Medienkonsum und interaktiver Kreativität. Innerhalb der Kulturwissenschaften
ist eine verstärkte Reflexion über die historischen und sytematischen
Grenzen und Möglichkeiten der Erzählformen und Darstellungsweisen zu
beobachten - von der Malerei über die Photographie, den Film bis zur
intermedialen Performance-Kunst heute. "Kultur" insgesamt wird - so
der Stand der Forschung - als medial vermittelt und Medien als kulturelle
Phänomene verstanden. So haben insbesondere die Cultural and Media Studies
die identitäts- und ideologiebildende Funktion medialer Repräsentationen
nachgewiesen – von der Populärkultur über genderspezifische Körperbilder bis
zu (trans-) nationalen Mythen und Phantasmen über das Eigene und das Fremde.
Gesellschaftswissenschaftliche Analysen wiederum, die sich den sozialen,
ökonomischen, rechtlichen und politischen Bedingungen der medialen
Kommunikation widmen, bedürfen der ästhetischen und kulturellen Reflexion der
medialen Formen der menschlichen Wahrnehmung (Aisthesis),
da diese ihrerseits die Statik und Dynamik ganzer Gesellschaften im globalen Masstab beeinflussen.
Das interdisziplinär angelegte Forum Medien Kulturen sucht die
kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit medialen Formen der
Weltaneignung und ihren Deutungsmustern. Sie richtet ihre Aufmerksamkeit auf
den Wechselbezug zwischen 'alten' und 'neuen' Medien sowie auf die
Entwicklung von der gesprochenen Sprache über analoge Medien bis zu
computergenerierten Bild-, Ton- und Textwelten. Ihr Fragehorizont schliesst
historische, technische, kommunikative, ästhetische und gestalterische
Konzepte und Modelle ein. Sie begreift Medien als Schnittstelle, Spiegel und
Auslöser tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen. Das Forum möchte
ebenso an der Überlieferung eines historisch orientierten Wissens über den
Umgang mit Medien mitarbeiten (Dialog zwischen den Generationen) wie an der
Vorausschau und Gestaltung zukünftiger Mediennutzung (experimentelle
Innovationen).
Bisherige Themenfelder, die das Forum seit seinem Bestehen als
Orientierungspunkte für die weitere Arbeit diskutiert und einvernehmlich
fixiert hat, sind u.a.:
- Einfluss der Medien auf die Wahrnehmung und die Sinnesorganisation des
Menschen
- Ästhetische Theorie der Medien: Heterotopie der
"Bilder" und "Räume"
- Konstitution von Subjektivität(en) und Geschlecht(ern)
durch Medien und Kultur
- Zerstreute Öffentlichkeiten: von der
'Landsgemeinde' zur medialen 'Community'
- Die Rolle von Symbolsystemen und Bedeutungsmustern in der
Realitätskonstruktion
- Sehgewohnheiten und Sendeformate (Boulevardisierung,
Voyeurismus)
- Nutzerverhalten und Rezeptionsweisen im Bereich der Einweg- und Zweiweg-Medien
- Speicher und Gedächtnis: Formenbildungen des 'kulturellen' Wissens und
Erinnerns
- Generationenspezifisches Wissensmanagement (Buchwissen, Multimedia-Wissen)
- Sound-Welten und Sound-Maschinen (neue Formen der Rezeption und Produktion)
- Das Öffentliche und das Private: mediale Codierungen von Intimität und
Gemeinschaft
- Medienkunst und hybride Performativität in den Medien
- Technische und imaginäre Konstruktion der Körper (-bilder)
durch digitale Verfahren
- Simulation und Mimesis: Medien zwischen Abbildung, Nachbildung und
Einbildung
Das Forum Medien Kulturen unterhält einen engen Kontakt mit den anderen
Arbeitsgruppen der SGKW. Ein wichtiges Bestreben ist die kontinuierliche und
zugleich aktualitätsbezogene Erarbeitung von Themen (s.o.) für kleine
Workshops und grössere Tagungen, für mittel- und langfristige
Forschungsprojekte, Ausstellungen und andere Foren, sowie für
wissenschaftspolitische Stellungnahmen der bzw. innerhalb der SGKW.
Mitgliedschaft in der SGKW
Für eine längerfristige Mitarbeit im Forum Medienkulturen ist die
Mitgliedschaft in der SGKW erwünscht. Gäste und temporäre Mitarbeiter sind -
je nach Themenstellung und Arbeitsvorhaben - jederzeit willkommen. Die SGKW
steht allen an der kulturwissenschaftlichen Forschung und ihrer Vermittlung
Interessierten offen.
- Sitzungsprotokoll Formum (ehemals: AG) Medien Kulturen (PDF)
Kontakt
Till A. Heilmann: till.heilmann(at)unibas.ch
Verena Kuni: verena(at)kuni.org

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