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AG Wissen
Die Kulturwissenschaft ist bzw. die Kulturwissenschaften
sind ein Bereich, der weder über klar artikulierte Methodologien
noch über einen einfach zu definierenden Kanon verfügt. Dennoch hat sich über
die letzten drei Jahrzehnte in vielen nationalen Wissenschaftkulturen
so etwas wie ein Konsens herausgebildet, welche Stossrichtung eine
Kulturwissenschaft oder die Cultural Studies verfolgen könnten.
"Interdisziplinarität", "Kontext" und "Praxis"
sind drei Stichworte aus dieser konsensualen
Rhetorik.
Kurse, Kolloquien und Arbeiten zur Kulturwissenschaft und zu den Cultural
Studies sind sowohl im angelsächsischen als auch im deutschsprachigen Raum
nicht mehr aus dem akademischen Betrieb wegzudenken. Vergleicht man aber die
Bibliographien einschlägiger Arbeiten und Veranstaltungen, sieht man, dass
unter diesen Begriffen stark divergierende Ansätze zusammengefasst werden. Zu
finden sind Einflüsse und Denkkategorien aus so verschiedenen Disziplinen wie
der französischen Soziologie und Semiologie, der deutschen Philosophie,
Literaturwissenschaft und Komparatistik, der Gesellschaftskritik und den
Bindestrich-Soziologien, der angelsächsischen Cultural Studies wie auch
Forderungen aus den wissenschaftspolitischen Debatten der Gegenwart.
Angesichts dieser Fülle von Ansätzen ergeben sich mehrere Fragestellungen für
unsere Arbeitsgruppe: Kann man überhaupt von einem definierbaren und
einigermassen kohärenten Wissenschaftbereich und
damit von einer "Disziplin" sprechen? Oder zerfällt der Studienbereich
nicht eher in ein sehr breites Spektrum von Ansätzen, die einerseits keinen
herkömmlichen Disziplinen mehr zuzuordnen sind, andererseits aber auch
inhaltlich wie methodologisch derart unterschiedlich sind, dass sie auch als
neue Gruppierung keinen Zusammenhalt finden? Anders gefragt: Kann sich aus
der Vielfalt von disziplinären Einflüssen so etwas wie eine
kulturwissenschaftliche Methodologie herauskristallisieren? Welches wären
ihre Kernbegriffe und wie lautete eine (wissenschafts)historische
Situierung?
In Hinsicht auf eine Einbettung von Kulturwissenschaften in der Schweiz
stellen sich weitere Fragen: Inwiefern beeinflussen die spezifischen
Wissenschaftslandschaften und -politiken die kulturwissenschaftliche Praxis?
Welche Rolle spielen in dieser Hinsicht Förderungsgremien,
Berufungskommissionen etc., die darüber entscheiden, was legitime Forschung
ist und was nicht? Diese Fragen wären besonders in Hinsicht auf eine
Institutionalisierung in der Schweiz wichtig: Bezeichnet "Kulturwissenschaften"
ein eigenes Fach, handelt es sich um einen neuen Oberbegriff für die Geistes-
und Sozialwissenschaften oder ist es eine den einzelnen Disziplinen
untergeordnete partikuläre Vorgehensweise? Welchen Stellenwert geniessen
schliesslich Ansätze einer "angewandten" Kulturwissenschaft im
traditionellen akademischen Kontext und in den neu entstehenden
Fachhochschulen?
Die Arbeitsgruppe könnte verschiedene Stossrichtungen verfolgen. Zunächst
scheint eine Definition der unterschiedlichen Strömungen notwendig, die im
heutigen Feld der sogenannten Kulturwissenschaften einflussreich sind. Die
Diskussion einer kulturwissenschaftlichen Methodologie und einer
wissenschaftstheoretischen Situierung bezeichnet ein Ziel, dem man wohl nur
annäherungsweise wird gerecht werden können.
Die AG Wissen unterhält engen Kontakt mit den anderen Arbeitsgruppen der
Schweizerischen Gesellschaftfür
Kulturwissenschaften (SGKW). Ein wichtiges Bestreben ist die Erarbeitung von
gemeinsamen Tagungsthemen, Forschungsprojekten und wissenschaftspolitischen
Positionen.
Mitgliedschaft in der SGKW
Für eine längerfristige aktive Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Wissen ist
Mitgliedschaft in der SGKW Voraussetzung. Gäste hingegen, die etwas vortragen
oder als Zuhörende teilnehmen wollen, sind jederzeit willkommen. Die SGKW
steht auch VertreterInnen aus allen benachbarten
Fachgebieten offen.
Kontakt
Peter Stücheli: stuechelip(at)hotmail.ch
Caroline Wiedmer: cwiedmer(at)es.unizh.ch
Eva Lia Wyss: elwyss(at)ds.unizh.ch

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